Betriebs- und Wartungsanleitung: Unterwasserfenster

Allgemeines und Geltungsbereich

Hydrosight stellt eine Vielzahl von Produkten für unterschiedliche Anwendungen her, darunter Pools, Aquarien und Forschungstanks. Maßgeblich für die Wartung und Pflege sind der spezifische Einsatzort, die klimatischen Bedingungen sowie die Wasserlast.

Es wird grundsätzlich zwischen zwei Verglasungsarten unterschieden, für die abweichende Pflegehinweise gelten:

  • Verbundsicherheitsglas (VSG)
  • PMMA-Blockmaterial (Acrylglas).

Schutzmaßnahmen während der Errichtungsphase

Jedes Fensterelement wird werksseitig mit 3 mm starken, weißen Abdeckplatten auf der Trocken- und Nassseite ausgeliefert.

  • Schutzfunktion: Die Platten bieten mechanischen Schutz vor Stößen und thermischen Schutz vor Materialausdehnung durch direkte Sonneneinstrahlung.
  • Dauer der Maßnahme: Die Abdeckungen dürfen während der gesamten Bauphase, inklusive Wassertests oder temporärer Befüllungen, nicht entfernt werden. Die Bauphase gilt erst mit der Nutzungsaufnahme durch den Eigentümer als beendet.
  • Haftungsausschluss: Das Risiko für Beschädigungen, die aus einer vorzeitigen Entfernung der Schutzplatten resultieren, trägt der Kunde.
  • Empfehlung: Es wird empfohlen, die Abdeckplatten für spätere Revisionen (z. B. bei Entleerung des Beckens) aufzubewahren.

Reinigung der Verglasung

Acrylglas (PMMA) – Trockenseite

  • Regelreinigung: Die Reinigung erfolgt mit einem weichen, fusselfreien Tuch oder Schwamm (z. B. Microfaser), mäßig befeuchtet mit Wasser.
  • Warnhinweis: Das Material darf niemals trocken abgerieben werden, da sich der Kunststoff elektrostatisch auflädt und Staub anzieht, was zu Kratzern führt.
  • Intensivreinigung: Bei fettigen Verschmutzungen sind milde Reinigungsmittel (ohne Scheuermittel) oder benzolfreies Reinbenzin (Wasch- oder Leichtbenzin) zu verwenden.
  • Verbotene Substanzen: Reinigungsmittel, die Benzol, Ethanol, Alkohol oder organische Verdünnungen enthalten, greifen den PMMA-Kunststoff an und dürfen nicht verwendet werden. Verwenden Sie keinesfalls handelsübliche, alkoholhaltige Glasreiniger, da diese Spannungsrisse verursachen können.
  • Vorbehandlung: Grobe Verschmutzungen sind vorab mit viel klarem Wasser abzuspülen.

Acrylglas (PMMA) – Nassseite

  • Verschmutzungsgrad: Die Wasserseite ist wenig schmutzanfällig; in gechlorten Becken treten kaum Ablagerungen auf.
  • Algenentfernung: In Aquarien können Algen mechanisch mit einem Fensterwischer (z. B. Unger Monsoon Strip Pac) entfernt werden. Chemische Zusätze sind nicht erforderlich.
  • Detailreinigung: Für Ecken und kleinere Flächen wird ein Mikrofasertuch empfohlen.
  • Automatisierte Reinigung: Pool-Roboter können das Acrylglas beschädigen. Es dürfen nur vom Hersteller als unbedenklich eingestufte Modelle eingesetzt werden (keine harten Bürsten/Walzen).

Verbundsicherheitsglas (VSG)

Für die Reinigung von VSG gelten keine spezifischen Einschränkungen gegenüber bauüblichen Fensterglasflächen.

Behandlung angrenzender Flächen und chemische Einflüsse

Bei der Reinigung der Beckenumgebung (z. B. Edelstahlflächen) ist Vorsicht geboten.

  • Gefahrenstoffe: Handelsübliche Edelstahlreiniger enthalten oft Phosphorsäure, Salpetersäure und Tenside. Diese dürfen nicht in den Bereich der Verglasung oder der Fugen gelangen.
  • Schutzmaßnahmen: Werden solche Reiniger großflächig eingesetzt, sind die Fenster mittels der Abdeckplatten zu schützen.
  • Fugenabklebung: Silikonnähte sollten mit einem ca. 50 mm breiten, lösungsmittelfreien Klebeband mit begrenzter Chemikalienbeständigkeit (z. B. 3M™ Protective Film 3103H) geschützt werden.
  • Prüfpflicht: PMMA ist gegen herkömmliche Schwimmbadchemie beständig. Sollten andere Chemikalien mit der Scheibe in Kontakt kommen, ist vorab die chemische Beständigkeit beim Hersteller anzufragen.

Betriebszustände: Entleerung und Trockenlegung

Das Fenster ist für den dauerhaften Einsatz unter Wasserlast ausgelegt ("gefülltes Becken"). Ein trockener Zustand stellt einen Sonderzustand dar, der besondere Sicherheitsmaßnahmen erfordert.

  • Sicherung gegen Anpralllasten: Da bei leerem Becken der statische Gegendruck des Wassers fehlt, ist der Bereich vor den Scheiben auf der Trockenseite gegen Anpralllasten (z. B. durch Personen oder Reinigungsmaschinen) zu sichern.
  • Thermische Belastung: Bei geleertem Becken ist eine Erhitzung durch direkte Sonneneinstrahlung auf die Acrylscheiben zwingend zu vermeiden (Gefahr der Überhitzung und thermischen Ausdehnung). Es wird empfohlen, die originalen weißen Schutzplatten wieder anzubringen.
  • Klimatische Bedingungen: Die Lufttemperatur muss im zulässigen Bereich liegen; schnelle Temperaturänderungen sind gering zu halten.
  • Dauer: Die Trockenlegung sollte so kurz wie möglich gehalten werden.

Instandsetzung (Polieren)

Acrylglas

Kratzer können bei unsachgemäßer Behandlung oder in hochfrequentierten öffentlichen Bereichen auftreten.

  • Selbsthilfe: Leichte Oberflächenkratzer können oft auspoliert werden. Dies darf nur mit geeigneten Polierpasten (z. B. QUIXX System Acryl Kratzer Entferner) erfolgen.
  • Professionelle Instandsetzung: Tiefe Kratzer oder strukturelle Schäden erfordern eine Begutachtung durch Hydrosight.

Verbundsicherheitsglas (VSG)

VSG ist sehr unempfindlich. Sollten dennoch Kratzer auftreten, die den optischen Anspruch beeinträchtigen, ist in der Regel ein Austausch der Verglasung notwendig.

Wartung und Inspektion

Hydrosight-Produkte sind wartungsarm konstruiert. Zur dauerhaften Gewährleistung der Betriebssicherheit sind jedoch regelmäßige Sichtprüfungen erforderlich.

Prüfkriterien und Warnhinweise

Die Scheiben sind visuell auf folgende Merkmale zu kontrollieren:

  1. Oberfläche: Kratzer, Trübungen oder Crazes (feine Rissnetzwerke).
  2. Farbe: Starke Verfärbungen des Materials.
  3. Dichtungen: Zustand der Silikonnähte (Ablösung, Risse).

WARNUNG: Von eigenen Versuchen, Risse mittels Rissprüfsprays oder Lösungsmitteln sichtbar zu machen, wird dringend abgeraten, da diese Substanzen Spannungsrisse im PMMA auslösen können. Werden Auffälligkeiten festgestellt, ist umgehend der Hersteller zu kontaktieren.

Wartungsintervalle bei kritischen Anwendungen

Bei Anwendungen mit erhöhtem Risiko (Personenschäden bei Versagen, öffentliche Einrichtungen) empfiehlt Hydrosight:

  • 2,5 Jahre nach Einbau: Optische Prüfung durch den Kunden oder Sachkundige.
  • 5 Jahre nach Einbau: Überprüfung durch Hydrosight (nach Ablauf der Gewährleistung). Dies umfasst den Austausch des O-Rings, Dichtigkeitsprüfung und Schönheitsreparaturen. Bei Freigabe verlängert sich die Gebrauchstauglichkeit um 2,5 Jahre.
  • Wiederkehrend: Weitere Wartungen erfolgen im gleichen Zyklus (7,5 Jahre, 10 Jahre etc.).

Kontakt

Hydrosight GmbH
Dechant-Sprünken-Str. 51A
46446 Emmerich
Germany

Tel: +49 28 22 60 250 90-0
E-Mail: io@hydrosight.com